| Turnier der Vereinigung Deutscher Schachmeister im Juli 1890 |
Zu dem in den Tagen vom 21. bis 26.Juli im Schillergarten (der Saal des Architektenhauses war bereits anderweitig vergeben), wo auch die Berliner Schachgesellschaft sich zu versammeln pflegt, stattgehabten Turnier der Vereinigung Deutscher Schachmeister hatten sich im Ganzen zehn Theilnehmer, die Herren Curt von Bardeleben (Leipzig), Horatio Caro (Berlin), Dr.H. von Gottschall (Leipzig), M.Harmonist (Berlin), Dr.B.Lasker (Berlin), E.Lasker (Berlin), stud. J.Mieses (Leipzig), J.Minckwitz (Belgern), Assessor F.Riemann (Hirschberg), Premier-Lieutnant a.D. Th. von Scheve (Berlin) gemeldet. Die Auslosung der Spieler war bereits am vorhergehenden Sonntag im Café Kaiserhof erfolgt. Die Leitung des Turniers hatte der Generalsekretär des Deutschen Schachbundes, Herr H.Zwanzig aus Leipzig, zu übernehmen die Liebenswürdigkeit gehabt. Er unterzog sich dieser Aufgabe mit seiner bekannten Umsicht in so ausgezeichneter Weise, dass er nach Beendigung des Turniers durch den Vorsitzenden der Vereinigung, Herrn von Scheve, zum Ehrenmitglied der Vereinigung ernannt wurde; gleichzeitig wurde ihm ein werthvolles Ehrengeschenk überreicht.
Da Herr Riemann kurz vor Beginn der dritten Runde infolge von Erkrankung von der weiteren Betheiligung leider absehen musste, Herr J.Minckwitz, der keine Gewinnpartie bis dahin aufzuweisen hatte, nach der vierten Runde nicht mehr erschien, von Bardeleben und Harmonist in der siebenten Runde austraten, so wurde das Turnier nur von sechs Meistern durchgeführt. | |
| Die Rücktritte | |
| von Bardeleben glaubte zurücktreten zu müssen, weil während der Partie von Bardeleben - E.Lasker letzterer gerade im kritischen Moment der Partie das Turnierlokal auf 37 Minuten verlassen und alsdann fast unmittelbar nach seiner Rückkehr in äusserst schwieriger Stellung den richtigen Zug getroffen hatte. |
| Der von v.Bardeleben gegen die Gültigkeit der Partie eingelegte Protest wurde zwar im Princip anerkannt, die Partie aber musste mangels einschlägiger Bestimmungen in der Turnierordnung trotzdem für gültig erklärt werden. |
| Unter diesen Umständen erklärte v.Bardeleben seinen Austritt aus dem Turnier und hierauf trat auch Harmonist zurück. |
| Der erste und zweite Preis (300 und 200 M) wurde nach hartnäckigem Stichkampf zwischen den beiden Brüdern Dr.B.Lasker und E.Lasker getheilt, ebenso der dritte Preis (100 M) zwischen Th. von Scheve und H.Caro. Das Ergebnis des Turniers veranschaulicht die nachstehende Tabelle: | |
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| Emanuel Lasker | x | 1 | 0 | 1 | + | ½ | + | 1 | + | 6,5 | | Dr.med.Berthold Lasker | 0 | x | 1 | 1 | ½ | 1 | + | 1 | + | 6,5 | | Horatio Caro | 1 | 0 | x | ½ | ½ | ½ | 1 | 1 | + | 5,5 | | Theodor von Scheve | 0 | 0 | ½ | x | + | 1 | 1 | 1 | + | 5,5 | | Curt von Bardeleben | - | ½ | ½ | - | x | 1 | 0 | - | 1 | 3,0 | | Dr.Hermann von Gottschall | ½ | 0 | ½ | 0 | 0 | x | 1 | 0 | + | 3,0 | | Max Harmonist | - | - | 0 | 0 | 1 | 0 | x | 1 | 1 | 3,0 | | Jacques Mieses | 0 | 0 | 0 | 0 | + | 1 | 0 | x | 1 | 3,0 | | Johannes Minckwitz | - | - | - | - | 0 | - | 0 | 0 | x | 0,0 |
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Quelle: Deutsche Schachzeitung Nr.8 August 1890, S.250/251
(13902) Caro,H - Lasker,E [D11]
Vereinigung Deutscher Schachmeister Berlin, 21.07.1890
[Horatio Caro]
1.Sf3 d5 2.d4 Lf5 In dieser Eröffnung gehört der Läufer nach b7. Durch den Textzug kann Weiss ein Übergewicht auf dem Damenflügel erlangen. 3.c4 c6 Hier geschähe besser e6, wie Steinitz zieht. 4.Db3 Dc8 [Konsequenter wäre 4...Dc7 mit der Folge 5.cxd5 cxd5 6.Sc3 e6 7.Sb5 Db6 8.Lf4 Sa6 etc.] 5.cxd5 cxd5 6.Sc3 e6 7.Lf4 a6 [Anstatt des Textzuges käme 7...Sa6 in Betracht. Falls dann 8.Sb5 Le7 9.Tc1 , so 9...Db8 , obgleich Weiss das bessere Spiel behauptet.] 8.Sa4! Ta7 [Ein entscheidender Fehler. Hier musste unter allen Umständen 8...Sd7 geschehen; es könnte darauf folgen: 9.Tc1 Dd8 10.Dxb7 etc.] 9.Sb6 Dd8 10.Lxb8 Dxb8 11.Da4+ Ke7 12.Tc1! Voreilig wäre Dd7+. Der Textzug benimmt Schwarz jede Hoffnung. Die Partie ist nun entschieden. 12...g5 13.Se5! Sh6 14.Sc8+ Diese kurze Partie, welche vom Anziehenden in bestem Style gespielt ist, liefert den Beweis, dass der Führer der weissen Steine, obgleich noch wenig in die Öffentlichkeit getreten, eine ausserordentliche Begabung, insbesondere ein hohes Verständnis für die Behandlung der so schwierigen geschlossenen Partie besitzt. (DSZ) 1-0
Quelle: Deutsche Schachzeitung Nr.8 August 1890, S.231
Die Partien stammen aus diversen bereits veröffentlichten Sammlungen und wurden ergänzt durch Partien aus den Heften 8 und 9 der Deutschen Schachzeitung von 1890.
Es fehlen die folgenden Partien (Farbverteilung unklar):
E.Lasker/Mieses, B.Lasker/v.Gottschall, B.Lasker/Mieses, Caro/v.Scheve, Caro/v.Bardeleben, Caro/v.Gottschall, Caro/Harmonist, Caro/Mieses, v.Gottschall/Harmonist, v.Gottschall/Mieses, Harmonist/Minckwitz und Mieses/Minckwitz.
Die Deutsche Schachzeitung zitiert die Tabelle in der Auslosungsreihenfolge (?) von Bardeleben, Caro, von Gottschall, Harmonist, B.Lasker, E.Lasker, J.Mieses, J.Minckwitz, von Scheve. Niemann wird nicht erwähnt und ich fand auch nicht seine drei Partien.
In der Quelle ist die Partie von Bardeleben - E.Lasker als kampflos gekennzeichnet. Sie wurde aber (s.o.) gespielt und kann hier nachgespielt werden.
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BSV © 19.07.2007
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