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Der Nichtraucher Schachklub sucht noch Mitglieder, die in der ersten Berliner Spielklasse spielen möchten. Spiellokal sind die schönen Räumlichkeiten im Selerweg 15.

  Ehrung am Grab von Jean Dufresne

von Frank Hoppe

Jean Dufresne (* 14. Februar 1829; † 15. April 1893 in Berlin) war ein deutscher Schachmeister und -autor.

In der Wikipedia gab es vor einigen Monaten noch eine Diskussion an welchem Tag Jean Dufresne (sprich: Dschon Dufrän) wohl gestorben wäre. Letztendlich ließ ich mich von einem der Benutzer aufgrund seiner wohl verläßlicheren Quellen (Jeremy Gaige) davon überzeugen, es sei der 13.April gewesen. Wie sich inzwischen herausstellte, war das falsch. Der Deutschen Schachzeitung war 1893 dieser Fehler das erste Mal unterlaufen und seitdem geistern beide Tage durch die Presse.

Kleines Lehrbuch des Schachspiels

Titelbild der 29.Auflage von 1996  

Während die DDR-Kids wohl eher mit dem sehr guten Standardwerk ABC des Schachspiels der Autoren Juri Awerbach und Michail Beilin aus dem Sportverlag groß geworden sind, lebte im Westen Deutschlands durch den 2006 verstorbenen Ehren-Großmeister Rudolf Teschner die Tradition eines anderen Büchleins fort. Das Lehrbuch des Schachspiels erschien 2004 bereits in der 31.Auflage. 1881 hatte Jean Dufresne seine erste Auflage im Reclam-Verlag veröffentlicht, damals noch mit "Kleines" dem Titel vorangestellt. Dufresne gab noch fünf weitere Auflagen bis zu seinem Tod 1893 heraus. Der Verlag konnte den Leipziger Großmeister Jacques Mieses als Nachfolger von Dufresne gewinnen. Mieses brachte von 1901 bis 1952 zwölf weitere Auflagen heraus, wobei zwei der Auflagen von Max Blümich während der Naziherrschaft überarbeitet wurden. Seit 1954 zeichnete Rudolf Teschner für das Werk verantwortlich. Jetzt nach dem Tode Teschners und zehn Jahre nach der letzten Auflage wartet man gespannt auf das weitere Vorgehen des Verlages.

Jean Dufresne

Jewish Museum New York
Vater Jacob Ephraim Dufresne, Ölbild aus Familienbesitz im Jüdischen Museum New York  

Der am 14.Februar 1829 als Sohn des jüdischen Kaufmanns Jacob Ephraim Dufresne geborene Jean erlangte nicht nur durch seine zahlreichen Bücher Berühmtheit, sondern war im 19.Jahrhundert auch einer der stärksten Schachspieler der Welt. Mit 19 schlug er den bekannten Meister Daniel Harrwitz in einer sehenswerten Partie. Mit 21 trat Jurastudent Jean in die Berliner Schachgesellschaft ein. Kein Geringerer als der spätere inoffizielle Weltmeister Adolf Anderssen wurde bald auf Dufresne aufmerksam und beide spielten viele Partien in Berlin gegeneinander. Die Immergrüne Partie zwischen Beiden im Jahr 1852 erweckte den Eindruck, Dufresne könnte Anderssen nicht das Wasser reichen. Das Gegenteil ist aber der Fall. Dufresne war ein durchaus sehr ernstzunehmender Gegner. So besiegte er 1868 Anderssen in einem kleinen Wettkampf mit 3½:2½.

Frank Hoppe
Haupteingang des Jüdischen Friedhofs in der Weißenseer Herbert-Baum-Straße. Am Tor warten bereits Harald Fietz, Alfred Seppelt und Frau, Siegfried Augustat und Ralph Schiffmann.

 Von Ephraim zu Dufresne

Andreas Saremba schreibt dazu in seinem kleinen Werk Jean Dufresne - Autor wider Willen:

Erst bei genauerem Hinsehen erkennt man, dass der zweite Vorname des Vaters eigentlich sein ursprünglicher (jüdischer) Familienname war. Dessen Vater, Heimann Marcus Ephraim (1748 - 1832) war ein Großneffe von Veitel Heine Ephraim (1703 - 1775), dem Bankier und Münzpächter Friedrich des Großen; an diesen berühmten Vorfahren erinnert noch heute eines der bekanntesten Gebäude Berlins, das Ephraim-Palais am Rande des Nikolaiviertels.

Frankreich hatte bereits 1791 seine Juden zu gleichberechtigten Staatsbürgern gemacht; möglicherweise war dies der Grund dafür, dass es in der Familie Ephraim große Sympathien für das Nachbarland gab, die Veiteis Sohn Benjamin (1742 - 1811) sogar in existenzbedrohende Schwierigkeiten brachten. Er wurde als Parteigänger der Französischen Revolution beschimpft und gar als angeblicher französischer Spion verdächtigt und verhaftet. Der einstmals reiche und angesehene Unternehmer, der zeit seines Lebens für die Emanzipation der Juden kämpfte, musste kurz vor seinem Tod Konkurs anmelden. Die Familie Ephraim hatte also Höhen und Tiefen erlebt, und wie wir noch sehen werden, sollte sich diese "Tradition" auch weiter fortsetzen.

Angesichts der beschriebenen Affinität zum Französischen ist es nicht besonders erstaunlich, dass Jacob Ephraim sich als neuen Familiennamen (dies wurde im Emanzipationsedikt von den Juden verlangt) das französisch klingende Dufresne aussuchte; paradoxerweise kämpfte er fast zur gleichen Zeit (ebenso wie sein Bruder Ascher Ephraim) in der preußischen Armee gegen Napoleon. Letzteres wissen wir übrigens nicht aus irgendwelchen amtlichen Quellen, sondern aus der Familienüberlieferung: Seine Tochter Cecilie heiratete in eine Familie Wittkower ein, ihr Enkel Rudolf Wittkower (1901 - 1971) wurde ein bekannter Kunsthistoriker, der 1933 aus Deutschland emigrierte und später an der Columbia University in New York lehrte. Seine Witwe Margot Wittkower (1902 - 1995) vermachte 1992 dem Jewish Museum in New York ein Gemälde ihres Urgroßvaters.

Wiederentdeckung des Dufresne-Grabes

Das man seit kurzem wieder zum Grab von Jean Dufresne pilgern kann, ist eher ein Nebenprodukt eines Besuches des Grabes von Berthold Lasker im Mai 2002 durch die Emanuel-Lasker-Gesellschaft gewesen. Andreas Saremba hatte in einem Berliner Friedhofsführer den Hinweis auf Dufresne entdeckt. Das Grab aber fand man damals nicht. Doch kurze Zeit später bekam die Gesellschaft eine neue Gelegenheit:

Eines ihrer Mitglieder, René Schilling, hatte für ein halbes Jahr auf dem Jüdischen Friedhof in Weißensee beruflich zu tun und ist nebenbei im dortigen Archiv auf die Suche gegangen. Schilling wurde in den alten Dokumenten fündig und begann mit den Lagekoordinaten, der Grabstein-Nr.12229 und einigen Mitgliedern der Lasker-Gesellschaft die Suche auf dem Friedhof.

Frank Hoppe
Anhand der Grabnummer auf dem Stein konnte die Ruhestätte von Dufresne einwandfrei identifiziert werden  

Die Suche im durch die Friedhofsakten eingegrenzten Areal gestaltete sich für Ralph Schiffmann, Andreas Saremba und René Schilling dann aber doch recht schwierig. Anhand der Grabnummer und den kaum noch zu entziffernden Schriftzeichen "chmeister" auf dem stark beschädigten Stein, hatte man aber schließlich Erfolg.

Frank Hoppe
Inschrift auf dem beschädigten Stein, nachbearbeitet mit einer Bildbearbeitungssoftware

Frank Hoppe
Vorderseite des Steins. Links und rechts von den Beschädigungen sind noch die Worte "der" und "meister" zu entziffern.

Vier Jahre Kampf für eine Gedenktafel

Der damalige Jugendwart unseres Verbandes, Carsten Schmidt, rief am 7.Dezember 2002 auf dieser Homepage zu Spenden für eine Gedenktafel auf:

Für das Grab des berühmten Schachspielers (z.B. die "Immergrüne Partie") und Verfassers eines der bekanntesten Lehrbücher seiner Zeit ("Kleines Lehrbuch des Schachspiels"), Jean Dufresne, das sich auf dem Jüdischen Friedhof in Weißensee befindet, soll zu Dufresnes 110. Todestag im Jahre 2003 eine kleine Tafel gestiftet werden.

Das Grab ist verwildert und ist so kaum zu finden. Diese Tafel soll einen verdienten und bekannten Berliner Schachspieler und sein Werk ehren und das Grab wieder zugänglicher machen.
Für Spenden wird eine Spendenbescheinigung ausgestellt.
Bitte das Geld überweisen auf das Konto des Berliner Schachverbandes Postbank Berlin, BLZ 100 100 10, Kto.-Nr.: 49 39 102

Diese Aktion fiel auf nicht so fruchtbaren Boden. Die Resonanz war derart gering, das das Vorhaben abgeblasen wurde und bisherige Spenden wieder ausbezahlt werden sollten. Erst dank des vereinslosen Schachhistorikers Ralph Schiffmann und mit Unterstützung der SG Hermsdorf kam im Jahr 2003 wieder Bewegung in die Sache. Schiffmann war es dann auch, der durch sein "großes Engagement und seine finanzielle Großzügigkeit (es) erst ermöglicht (hat), daß der Grabstein des verdienstvollen Schachautors Jean Dufresne wieder in einen würdigen Zustand versetzt wurde." (Saremba)

Enthüllung der neuen Grabtafel

Frank Hoppe
Bronzetafel an der Rückseite des Grabsteines. Die Tafel wurde durch Spenden von Ralph Schiffmann, Dr.Siegfried Augustat, Gerd Borris, Martin Hamann, Christian Piesnack und vom Berliner Schachverband finanziert.

Die Ken-Whyld-Association und die Emanuel-Lasker-Gesellschaft hatten am 20./21.Oktober 2006 nach Berlin eingeladen und dabei sollte u.a. eine Grabtafel an Dufresnes Ruhestätte enthüllt werden. Dazu hatte man eigens eine Sonderöffnung des Jüdischen Friedhofs am 20.Oktober um 15 Uhr vereinbart. Normalerweise schließt der Friedhof freitags um diese Zeit. Für den Besuch der Gräber von Jean Dufresne und Berthold Lasker war eine Besuchsdauer von einer max. eineinhalb Stunden vorgesehen. Weil das Gelände sehr weitläufig ist und zudem nicht alle Gäste pünktlich waren, wurden die neunzig Minuten voll ausgeschöpft. Ralph Schiffmann, der anfangs etwas Orientierungsprobleme auf dem riesigen Areal hatte, drückte zwar ständig aufs Tempo, doch kam man trotzdem in "Zeitnot".

Frank Hoppe
Zahlreiche interessante und teilweise prunkvolle Grabstätten zogen die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich

Der neben einer Lichtung gelegene und von einem weißen Tuch verhüllte Grabstein Dufresnes war schon von weitem zu sehen. Bereits ein Jahr zuvor hatte Ralph Schiffmann dort die Tafel anbringen lassen, doch erst jetzt ergab sich die Gelegenheit für ihre offizielle Enthüllung.

Die Bronzetafel wurde im Allgäu hergestellt. In Berlin fand sich wohl keine geeignete Eisengießerei.
Der Grabstein selbst steht inzwischen seit 113 Jahren, besteht aus Sandstein und wurde jetzt noch zusätzlich durch eine Plombe im Boden vor dem Umfallen gesichert. Die Tafel mußte auf der Rückseite des Steines angebracht werden, weil die Vorderseite größtenteils zerstört ist. Ich muß allerdings anmerken, das eher die Rückseite wie die Vorderseite aussah, was man auch an den umliegenden Gräbern nachvollziehen konnte.

Video von der Enthüllung der Tafel - 112 MB (MPEG)

Nach der Enthüllung durch Ralph Schiffmann erzählte Andreas Saremba noch einige Details aus dem Leben von Dufresne und verteilte anschließend seine im heimischer Arbeit erstellte und kopierte Broschüre über den historischen Meister. Die zweite Auflage fand also direkt ihre ersten, begeisterten Abnehmer.

 Eine kleine Anekdote am Rande

BSV-Vizepräsident Carsten Schmidt - einer der Spender für die Tafel und geladener Gast - war auf gut Glück zum Friedhof gefahren und stand dann etwas einsam am Nebeneingang in der Indira-Gandhi-Straße. Bevor er den Haupteingang erreichte, war die Delegation schon längst am Grabe Dufresnes. Den Wärter konnte er trotzdem noch überzeugen, ihn einzulassen. Zu mehr als einem Smalltalk mit den Seppelts hatte es aber nicht gereicht. Der Ehrenpräsident des BSV und seine Frau hatten sich nach der Ehrung allein auf den Rückweg gemacht und sich dabei gehörig verfranzt. Dank Carsten Schmidt, der die Beiden schon weitem hörte, fanden sie aber wieder auf den rechten Weg.

Besuch der Lasker-Gräber

Das ursprüngliche Objekt der Begierde aus dem Jahr 2002 war das Grab von Berthold Lasker. Dafür ist von der Ruhestätte Dufresnes ein längerer Fußmarsch, fast über den gesamten Friedhof, nötig. Den nahm die Gruppe natürlich auf sich und stattete auf dem Rückweg auch noch dem Grab von Paul Lasker, dem Sohn von Else Lasker-Schüler - der Frau von Berthold Lasker, einen Besuch ab.

Jüdischer Friedhof / Frank Hoppe
Karte des Jüdischen Friedhofs mit Lage der Gräber von Jean Dufresne (C2), Paul (E4) und Berthold Lasker (F6). Die Gräber habe ich aus meinem Erinnerungsvermögen und anhand meiner Fotos lokalisiert. Es stimmt also ungefähr ... - Falls mich genauere Angaben erreichen, aktualisiere ich die Karte.

Wer die Gräber selbst aufsuchen möchte, hat dazu von Sonntag bis Freitag zwischen 8 und 15 Uhr Gelegenheit. Darüber hinausgehende Öffnungszeiten können hier nachgelesen werden.

Weitere Fotos

Frank Hoppe
Harald Fietz, Siegfried Augustat, Ralf Binnewirtz, Paul Werner Wagner und das Ehepaar Seppelt am Grab von Jean Dufresne

Frank Hoppe
Michael Negele (links) bedankt sich bei Ralph Schiffmann für sein Engagement. Im Hintergrund das Ehepaar Seppelt.

Harald Fietz
Besuch am Grab von Paul Lasker: Martin Hamann, Dr.Jurgen Stigter (NL), Paul-Werner Wagner, Christian Piesnack, Andreas Saremba, Dr.Siegfried Augustat, Ralph Schiffmann, Tony Gillam, Frank Hoppe, Ralf Binnewirtz (von links).

Frank Hoppe
Grabstein des Ehepaars Berthold und Regina Lasker

Links

Besuch des Friedhofs - durch die ELG am 5.Mai 2002

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Autoreninfo

Frank Hoppe,
Jahrgang 1964, hat die Internetpräsenz des Berliner Schachverbandes Ende 1996 ins Leben gerufen und betreut diese seitdem alleinverantwortlich. Er war außerdem von 1996 bis 2010 DWZ-Referent des Berliner Schachverbandes und von 2003 bis 2009 Referent der Wertungszentrale des Deutschen Schachbundes. Seit 2007 ist er Webmaster des Deutschen Schachbundes und seit 2010 Redakteur des BSV-Mitteilungsblattes.

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