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Der Nichtraucher Schachklub sucht noch Mitglieder, die in der ersten Berliner Spielklasse spielen möchten. Spiellokal sind die schönen Räumlichkeiten im Selerweg 15.

  20. Politiker-Schachturnier

von Frank Hoppe

6. November 2010 im Maritim-Hotel, Berlin, Stauffenbergstr. 26

Emotional wurde es beim 20jährigen Jubiläum des für Volksvertreter, Konsulat- und Botschaftsmitarbeiter veranstalteten Schachturniers des Berliner Schachverbandes. Alfred Seppelt, der das Turnier ins Leben gerufen hatte, um Politikern nicht nur ein schachliches Beisammensein zu bieten, sondern auch Kontakte in die Machtzentrale von Staat und Gesellschaft zu knüpfen, trat von der Bühne ab. Der 81jährige war mit seiner Frau erschienen - später kam auch noch einer seiner Söhne Hans-Joachim hinzu - und wurde zur Eröffnung und bei der Siegerehrung mit Geschenken, Glückwünschen und langanhaltendem Applaus gehuldigt.

Frank Hoppe
Überhäuft mit Blumen: Alfred Seppelt. Rechts Carsten Schmidt.  

Ohne Seppelt hätte es keine 20 Jahre dieses Turnier gegeben. Spätestens seit 2004, als er nicht mehr zur Wiederwahl als Präsident des Berliner Schachverbandes antrat, stand das Turnier "Politiker spielen Schach" immer wieder zur Disposition. Da ist zum Einen die immer wieder aufwendige Vorbereitung, die Seppelt praktisch ein Jahr lang gefangen nahm - nach dem Turnier ist vor dem Turnier - und dem Verband Kosten verursachte.
Zum Anderen hat sich der Verband auf seine Fahnen geschrieben, daß er "keine politischen oder religiösen Ziele" verfolgt. Da ist ein Politikerturnier schon sehr grenzwertig. Je nach Auslegung des Satzungstextes reichen die Meinungen von "harmlos, völlig satzungskonform" bis "geht gar nicht, unvereinbar mit unseren Prinzipien".

Ob es das Politikerturnier auch in Zukunft in der heutigen Form geben wird, ist angesichts des Abschieds von Seppelt ungewiß. Die neue Verbandsführung ist dünnhäutiger und jünger als zu Seppelts Zeiten. Die in der Satzung verordneten Prinzipien sollen wieder mehr zur Geltung kommen. Politikerturnier adé?

Frank Hoppe
Restaurant MARITIM als Turniersaal  

Noch ist es aber nicht soweit. Der 2010er Jahrgang zog wieder Dutzende Abgeordnete und anderweitig politisch tätige Menschen in ihren Bann. Rund 70 Namen standen auf der Teilnehmerliste, Bundesinnenminister Thomas de Maiziére hatte die Schirmherrschaft übernommen. Selbst erscheinen konnte er leider nicht. Ebenso wie mehr als ein Dutzend gemeldete Spieler, die angesichts voller Terminkalender nicht einmal am Wochenende Zeit haben, ihrem Hobby zu frönen.
56 Einträge hatte schließlich die Teilnehmerliste und einige Bretter für das "politische Schachturnier" (das Maritim-Hotel auf seinen Wegweisern) im Restaurant MARITIM blieben leer. Darunter auch das Brett des im Vorfeld angekündigten prominentesten Teilnehmers, Dr. Otto Schily. Der ehemalige Bundesinnenminister kam aber trotzdem noch vorbei und spielte für die Presse zwei Partien mit Alfred Seppelt. Schily hielt sich dabei ganz ordentlich und brachte den Profi besonders in der ersten Partie in arge Bedrängnis.

Frank Hoppe
Otto Schily wird nach den Partien gegen Alfred Seppelt (rechts) von Dagobert Kohlmeyer interviewt  

Während die Beiden ihr Schnellschachmatch austrugen, ging an den anderen 28 Brettern das eigentliche Turnier weiter über die Bühne. Die Teilnehmer spielten dort in drei Wertungsgruppen: 2100 (sehr gute Vereinsspieler), 1900 (normalsterbliche Vereinsspieler) und 1700 (Amateure). Die Gesamtbedenkzeit betrug 20 Minuten, die beim Aufeinandertreffen gleicher Wertungsgruppen fair 10:10 geteilt wurde. Spielten unterschiedliche Wertungsgruppen gegeneinander, waren die Bedenkzeitverhältnisse 12:8 bzw. 14:6. Das die unterschiedlichen Bedenkzeiten den Spielstärkeunterschied aber ausgleichen, gehört ins Reich der Phantasie. Guten Spielern genügen halt auch mal sechs Minuten und zudem fühlt sich der schlechtere Spieler veranlaßt mitzuzocken, anstatt seinen Bedenkzeitvorteil zu nutzen.

Frank Hoppe
Turnierleiter Dr. Joachim Fechner und Dagobert Kohlmeyer  

Frank Hoppe
Reinhold Kopp und Klaus Uwe Benneter  

Im Turnier blieben so die Vereinsspieler unter sich. Der beste Amateur erreichte vier Punkte und wurde Zwanzigster. An der Spitze schien für Titelverteidiger Ralf Seibicke (Magdeburg) währenddessen alles reibungslos zu laufen. Nur in Runde 4 gab er gegen Dr. Dirk Jordan einen halben Punkt ab. Das war auch die "Bremserrunde" für Seibickes Vereinskameraden Ulf von Hassel. Der kassierte allerdings gegen Dr. Gerhard Köhler eine glatte Null. Von Hassel arbeitete sich mit zwei nachfolgenden Siegen wieder nach vorn und saß in der letzten Runde Ralf Seibicke am ersten Brett gegenüber. Seibicke war friedfertig eingestellt, er bot schnell Remis - sein Turniersieg war greifbar nah. Doch sein Klubkollege lehnte ab und rang den nominell stärkeren Seibicke nieder.

Frank Hoppe
Da verschläft doch jemand das spannende Finale!  

Bei der Siegerehrung bekamen nicht nur die Erstplazierten der drei Wertungsgruppen Preise, sondern fast alle Teilnehmer, so lange wie Preise da waren. zudem erhielt jeder Teilnehmer ein Schachpaket bestehend aus ChessBase-Magazin, Boris Gelfand-Buch und Deutschlandcup-Kalender. Eine weitere Aufmerksamkeit soll im Januar per Post den Teilnehmern zugestellt werden: ein Fotobuch über das Turnier gesponsort vom ORWO Net-Vorstand Dr. Gerhard Köhler und erstellt vom Berliner Schachverband. Selten wurden die Teilnehmer eines Politikerturniers üppiger belohnt. Und das war immer noch nicht alles! Fast schon traditionell stand noch ein kostenloses warmes und kaltes Büfett für die Teilnehmer und Gäste bereit.

Partien nachspielen
Fortschrittstabelle
Einzelergebnisse

Pl.TeilnehmerTWZDWZVerein/OrtSRVPkt.BuchSoBe
1. Ulf von Hassel21001949Haldensleben6016.032.527.50
2. Lars Döring21001965Berlin5115.533.024.75
3. Ralf Seibicke21002104Magdeburg5115.531.022.75
4. Thomas Delling21002008Hoyerswerda5115.529.520.75
5. Ulrich Büscher19001902Boppard5115.528.520.25
6. Edmund Lomer21001890Eckernförde5115.528.020.75
7. Gerhard Köhler21002098Nordhausen5025.032.021.00
8. Heinz Lanfermann19001868Potsdam5025.028.518.50
9. Paul Werner Wagner19001748Berlin4215.028.018.00
10. Fritz Felgentreu1900-Berlin5025.026.517.00
11. Dirk Jordan21002127Dresden4124.531.518.25
12. Hans-Jürgen Beerfeltz1900-Berlin4124.527.516.75
13. Wilfried Roos19001646Saerbeck4124.527.014.50
14. Dietmar Lingemann19002090Berlin4124.526.513.50
15. Gerd Arlt19001788Oberhausen4124.523.013.00
16. Georg Hamm21002015Calbe/Saale3224.030.516.00
17. Reinhard Löffler1900-Stuttgart4034.029.514.00
18. Hans Altherr1900-Trogen4034.028.514.00
19. Ulrich Freise19001938Berlin4034.027.013.00
20. Thomas Gaudszun1700-Berlin4034.026.514.00
21. Jens Kendzia1900-Berlin4034.026.512.50
22. Nikolaus von Blumenthal21001647Herne4034.025.011.50
23. Jacky Foo1700-Singapur/Berlin4034.024.511.50
24. Dieter Puchta19001862Berlin4034.022.09.00
25. Karl Schmitt1900?Berlin3133.529.512.25
26. Udo Haase1700-Schönefeld3133.528.514.00
27. Heijo Höfer19001945Altenkirchen3133.526.510.25
28. Detlef Steppuhn1900-Berlin3133.525.510.75
29. Katrin Werner19001533Trier3133.524.510.25
30. Hans Lennartz19001677Roetgen3133.524.08.75
31. Werner Kleist1700?Berlin2323.522.510.50
32. Christian Zippel1900-Berlin2323.522.08.25
33. Wolfgang Poppe19001623Bad Neustadt3043.025.58.50
34. Wolfgang Spitz19001599Boppard3043.025.57.50
35. Lkhagvadorj Gundsamba1700-Mongolei/Berlin3043.023.08.00
36. Günter Nooke1900-Berlin3043.023.07.00
37. Lazar Comanescu1700-Rumänien/Berlin3043.023.05.00
38. Rainer Speer1700-Potsdam3043.021.57.00
39. Herwig Haase1700-Berlin3043.021.55.00
40. Detlef Stronk1900-Berlin3043.021.54.50
41. Günther Müller19001458Kettig2233.018.55.75
42. Andreas Höhne1900-Berlin2142.524.56.75
43. Mizumoto Horii1700-Japan/Berlin1332.522.56.00
44. Peter Schüler1700-Potsdam2142.522.05.00
45. Michael Pistecky1700-Niederlande/Berlin2142.521.56.00
46. Tsolmon Bolor1700-Mongolei/Berlin2052.021.52.50
47. Renate Hotz1700-Stettlen1242.021.04.25
48. Michael Müller1700?Berlin2052.020.03.50
49. Felicitas Tesch1700-Berlin1242.019.04.75
50. Isko Steffan1700-Berlin1242.018.04.25
51. Lothar Finzelberg1700-Burg2052.018.02.50
52. Klaus Uwe Benneter1700-Berlin2052.015.52.50
53. Michael Martens1700-Kleinmachnow1151.517.01.75
54. Reinhold Kopp1700-Berlin1151.516.01.75
55. Norbert Meisner1700-Hohen Neuendorf1061.019.52.00
56. Moriaki Miwa1700-Japan/Berlin1061.017.01.50

Frank Hoppe
BSV-Präsident Carsten Schmidt hält das Lasker-Buch für den Sieger Ulf von Hassel (mit Pokal). Rechts der Vorsitzende der Emanuel Lasker Gesellschaft, Paul Werner Wagner.  

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Lars Döring wurde Zweiter  

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Carsten Schmidt mit der besten Dame, Katrin Werner. Sie war die einzige Vertreterin der Partei Die Linke.  

Frank Hoppe
Fast hätte Ulf von Hassel seine Digitalkamera vergessen, die er als Turniersieger von ORWO Net bekam.  

Frank Hoppe
Herbert Hartung (rechts) testet das Schachwissen von Dr. Gerhard Köhler  

Frank Hoppe
DSB-Sportdirektor Horst Metzing (links) im Gespräch mit dem ehemaligen DSB-Leistungssportreferenten Thomas Delling  

Frank Hoppe
Eine Legende des DDR-Schachs: Dr. Ernst Bönsch. Rechts DSB-Seniorenreferent Dr. Georg Hamm.  

Frank Hoppe
Lecker Essen!  

Autoreninfo

Frank Hoppe,
Jahrgang 1964, hat die Internetpräsenz des Berliner Schachverbandes Ende 1996 ins Leben gerufen und betreut diese seitdem alleinverantwortlich. Er war außerdem von 1996 bis 2010 DWZ-Referent des Berliner Schachverbandes und von 2003 bis 2009 Referent der Wertungszentrale des Deutschen Schachbundes. Seit 2007 ist er Webmaster des Deutschen Schachbundes und seit 2010 Redakteur des BSV-Mitteilungsblattes.

webmaster@berlinerschachverband.de

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