| Kreuzberger Festwochen 2006 |
von Frank Hoppe
Das Wochenende 2./3.September 2006 geht als eines in die Geschichte ein, an dem der gemeine Schachspieler die Qual der Wahl hatte. In und um Berlin buhlten die Turnierveranstalter um Teilnehmer und viele nutzten die Gelegenheit und tingelten von einem Turnier zum nächsten. Am Sonnabend vergnügten sich die einen in Dennewitz (Rabiega, Gebrüder Muse) und die anderen in Zehdenick (Schilow, Kalinitschew), die Berliner Frauen spielten zudem ihre Schnellschach-Meisterschaft aus. Und am Sonntag trafen sich alle in Kreuzberg, zum Showdown beim beliebten und größten Berliner Club in der Gitschiner Straße.
 | | Frank Hoppe | | Gedränge vor Turnierbeginn | |
Ursprünglich war sogar die Chess960-BMM für dieses Wochenende geplant, doch der Verband entschied sich für eine Verlegung in den November, wobei ein nicht unwesentlicher Grund auch eine fehlende Spielstätte war.
 |  | Friedrich Koch gewinnt überraschend das Jugendturnier | |  |
 | | Frank Hoppe | | Georg Kachibadze erneut nur Zweiter | |
Der Sieg im sonnabendlichen Jugendturnier ging nach sieben Runden nicht an einen der beiden Favoriten Georg Kachibadze oder Carsten Schirrmacher, sondern an Friedrich Koch vom SC Borussia Friedrichsfelde. Georg lag eine Runde vor Schluß auf Siegkurs, unterlag dann aber sensationell Jeffrey Janke. Friedrich war der Nutznießer und siegte mit hauchdünnem Wertungsvorsprung.
1. Friedrich Koch, 2. Georg Kachibadze, 3. Jeffrey Janke je 5,5, 4. Carsten Schirrmacher, 5. André Kunz je 5.
Tabelle
Fortschritt
Runde für Runde
 |  | Mit 80 Spielern nahezu "ausverkauft" | |  |
Der SC Kreuzberg hatte in seiner Ausschreibung bereits darauf hingewiesen, das die maximale Kapazität bei 90 Teilnehmern liegt. Dieser Vermerk war durchaus wichtig, obwohl das Turnier im Jahr zuvor nur 37 Spieler anlockte. Aber auf dieser Homepage wurde in der Woche vor Turnierbeginn noch einmal die Werbetrommel gerührt und da das Turnier in die Berliner Schnellschach-Grand-Prix-Serie aufgenommen worden war, sorgte es für zusätzliche Anziehungskraft. Sogar FIDE-Meister Hannes Knuth war um 11 Uhr gen Berlin aufgebrochen und schaffte es gerade noch rechtzeitig.
 | | Frank Hoppe | | Ihr Berliner Schnellschach-Meistertitel bei den Frauen ist gerade einen Tag alt: Verena Nagel gegen Dawid Janaszak. FM Hannes Knuth, extra aus Neukloster angereist, kiebitzt. | |
 | | Frank Hoppe | | FM Andreas Breier gegen Brigitte Große-Honebrink | |
 | | Frank Hoppe | | GM Sergej Kalinitschew gegen Ivan Lavrent'ev | |
 |  | Verzögerter Turnierstart durch Nachzügler | |  |
Doch nicht die auswärtigen Teilnehmer lassen die Berliner Turnierveranstalter warten, sondern es sind meistens die, die den kürzesten Weg haben. Während z.B. bei den Chess Classic in Mainz der Zeitplan Gesetz ist, machen in Berlin die Zuspätkommer die Zeitpläne - nach denen sich dann die Turnierveranstalter richten. So entschied sich Turnierleiter Frank Koch, die erste Runde noch einmal neu auszulosen, nachdem ein, zwei notorische Zuspätkommer doch noch eintrafen. Das Herz des Turnierleiters ist weich in Berlin ...
Video [ca. 8 MB] - Bretter unterer Raum
 | | Frank Hoppe | | Atila Figura bedient das Auslosungsprogramm, Turnierleiter Frank Koch schaut zu | |
Frank Koch zur Seite stand neben Hans-Jürgen Körlin auch Atila Figura. Atila wollte sich für die Jugend-Europameisterschaft schonen und nahm deshalb nicht am Turnier teil. Bei der Europameisterschaft ist der Titel sein heres Ziel.
Im August hatte der EM-Kader in Thüringen ein Training mit GM Henrik Teske absolviert. Das anschließende Apolda-Open spielte Atila aufgrund schulischer Verpflichtungen nicht mit.
 | | Frank Hoppe | | Werner Ott und SCK-Opensieger Lutz Mattick | |
 | | Frank Hoppe | | Wird das Bier reichen ? | |
 | | Frank Hoppe | | Wahrscheinlich ... | |
Video [ca. 31 MB] - Turnierleitung
 | | Frank Hoppe | | IM Dr.Manfred Glienke - einem Superstart folgte der jähe Absturz | |
Manfred Glienke hat sich mit dem Meistertitel der BRD im Jahr 1982 selbst ein Denkmal gesetzt. An diesem Sonntag spielte er sechs Runden lang wie zu besten Zeiten und unterlag nur Drazen Muse. Im letzten Drittel mußte er sich erst dem späteren Turniersieger und danach FM Gerd Euler beugen. Eine Doppelnull ist schon hart - gegen allerdings starke Konkurrenz. Doch in der letzten Runde folgte noch eine überraschende Null mit Weiß gegen Martin Gebigke. Ergebnis war Platz 27 mit nur mageren fünf Pünktchen.
Video [ca. 10 MB] - Manfred Glienke - Martin Gebigke
Der sympathische Großmeister aus Charlottenburg war am Tage zuvor in Zehdenick hinter seinem Vereinskollegen Wladimir Schilow Zweiter geworden. In Kreuzberg reichte es nicht zu einem Preisgeld. Mit Schuld daran war auch folgende Niederlage gegen IM René Stern:
 | | 5.Runde: IM René Stern - GM Sergej Kalinitschew |
1...Kf7 2.f5 Sb8 3.Sc7 Sc6 4.Sxb5 Sxb4 5.Sd6+ Ke7 6.fxg6
 | | Kalinitschew zuckte zusammen, als Stern den Bauern schlug. |
6...Kf8 7.Sf5 Sc6 8.Kd5 Sb4+ 9.Kd6 Sd3 usw. 1-0
 | | Frank Hoppe | | GM Sergej Kalinitschew steht etwas passiv gegen René Stern | |
 | | Frank Hoppe | | und hier kurz vor der Aufgabe | |
Video [ca. 44 MB] - Stern - Kalinitschew, Rabiega - M.Muse
Video [ca. 13 MB] - Stern - Kalinitschew, Rabiega - M.Muse (2)
Kalinitschew versuchte im Anschluß an das Turnier im Backgammon-Match mit Philippe Vu die entstandenen Unkosten wieder einzuspielen. Als ich kurz ging, lag er allerdings mit sechs Euros zurück.
Schon nach dem Lichtenberger Sommer hatte er sich im "en passant" im Backgammon u.a. mit Horst Strehlow duelliert, während die "echten" Schachspieler ihrem Blitzturnier nachgingen.
 | | Frank Hoppe | | GM Sergej Kalinitschew bei seiner zweiten Lieblingsbeschäftigung | |
 | | Frank Hoppe | | Gegner ist Philippe Vu | |
 | | Frank Hoppe | | Vu lag immer knapp in Führung beim Backgammon | |
 | | Frank Hoppe | | Sergej Kalinitschew in Erwartung des nächsten Paschwurfes von Philippe Vu | |
 | | Frank Hoppe | | Auch Großmeister die schon (fast) alles erreicht haben, können sich noch freuen. | |
 | | Frank Hoppe | | "Mist, er hat schon wieder einen Pasch gewürfelt" | |
Video [ca. 13 MB] - Backgammon
... spielte selbst nicht mit, hatte aber immer einen Kugelschreiber und Papier dabei, um möglicherweise interessante Partien mitzuschreiben - so geschehen erst am Sonnabend in Dennewitz und Sonntag in Kreuzberg.
 | | Frank Hoppe | | WZW alias Wolfgang zum Winkel. Er schrieb einige der Partien mit. | |
Rabiega - Knuth
1.e4 c5 2.c3 d5 3.exd5 Dxd5 4.d4 e6 5.Sf3 Sf6 6.Sa3 Sc6 7.Sb5 Dd7 8.Se5 Sxe5 9.dxe5 Sd5 10.c4 Sb4 11.a3 Sc6 12.Dxd7+ Kxd7 13.Lf4 Tb8 14.0-0-0+ Ke7 15.Le3 b6 16.f4 a6 17.Sd6 g5 18.Le2 Lh6 19.fxg5 Lg7
 | | 8.Runde: GM Robert Rabiega - Hannes Knuth |
20.g6! hxg6 21.Lg5+ Kf8 22.Thf1 Sxe5 23.Sxf7!
 | | Noch ein Hammerschlag! Wegen Matt auf d8 kann Schwarz den Springer nicht nehmen. |
23...Kg8 24.Td8+ Kh7 25.Sxh8 Sc6 26.Te8 Ld7 27.Txb8 Sxb8 28.Sf7 1-0
 | | Frank Hoppe | | Ist WZW gerade eine geniale Verbesserung eines Rabiega-Zuges eingefallen ? | |
 |  | Endstand und Schnellschach Grand Prix | |  |
Die ersten 17 des Kreuzberger Turniers haben Wertungspunkte für den Berliner Schnellschach Grand Prix gesammelt.
Pl. Spieler TWZ Pkt BuH GP
1. GM Muse,Mladen 2450 7.0 55.5 20
2. Schilow,Wladimir 2397 7.0 53.5 17
3. FM Euler,Gerd 2341 7.0 53.0 15
4. GM Rabiega,Robert 2520 7.0 52.5 14
5. FM Berger,Steve 2415 7.0 52.5 13
6. IM Stern,Rene 2465 7.0 52.5 12
7. Janaszak,Dawid 2318 6.5 52.5 11
8. IM Muse,Drazen 2407 6.5 52.0 10
9. GM Kalinitschew,Sergej 2428 6.5 50.0 9
10. FM Breier,Andreas 2360 6.0 52.0 8
11. Gebigke,Martin 2189 6.0 49.0 7
12. Shapiro,Yosip 2130 6.0 47.0 6
13. Bukowski,Henryk 1980 6.0 46.0 5
14. Niehaus,Frank 2202 6.0 45.5 4
15. FM Knuth,Hannes 2301 5.5 51.0 3
16. FM Wendt,Jan-Dietrich 2378 5.5 49.5 2
17. FM Dyballa,Markus 2363 5.5 46.0 1
Stand im Grand Prix
Ergebnisse - inkl. weiterer Fotos
Fortschrittstabelle
Tabelle
Video [ca. 17 MB] - Bodo Kühn - Batzaya Ayush
Video [ca. 19 MB] - Rabiega - Berger, Stern - Schilow
 | | Frank Hoppe | | Die "Krabbelgruppe" besiedelte die letzten Bretter | |
 | | Frank Hoppe | | BSV-Präsident Dr.Matthias Kribben bei der Vesper | |
 | | Frank Hoppe | | ... nur ein Bruchteil der zahlreichen Pokale des Kreuzberger Clubs | |
 | | Frank Hoppe | | Batzaya Ayush "fischte" beim Schachfestival im Jüdischen Museum erfolgreich unter den Haien, u.a. mit einem Sieg gegen den späteren Turniersieger Wladimir Schilow. An diesem Sonntag war er weniger erfolgreich. | |
 | | Frank Hoppe | | Philippe Vu ist Ayush's Gegner in diesem Pausenmatch | |
 | | Frank Hoppe | | Luft schnappen und die Lunge durchpusten | |
 | | Frank Hoppe | | SCK-Präsident Norbert Sprotte | |
 | | Frank Hoppe | | "Schlitti", mit bürgerlichem Namen Wolfgang Schlittermann | |
 | | Frank Hoppe | | Bodo Kühn | |
 | | Frank Hoppe | | Smalltalk vor dem Rundenbeginn | |
 | | Frank Hoppe | | Bodo Kühn | |
 | | Frank Hoppe | | IM Drazen Muse im Turnierleiterraum | |
 | | Frank Hoppe | | Gedränge vor der Abschlußtabelle | |
 | | Frank Hoppe | | Sachpreise | |
 | | Frank Hoppe | | GM Mladen Muse erwähnte gerade seinen Sieg beim LiSo-Blitz | |
 | | Frank Hoppe | | Fachsimpeln unter Meistern | |
 | | Frank Hoppe | | Mundschenk Christopher Niechotz: Das Bier ging ihm nicht aus, die Würste schon eher. | |
 | | Frank Hoppe | | Schuldscheine durstiger Schachspieler | |
 | | Frank Hoppe | | Philippe Vu bei einem seiner grandiosen Züge | |
 | | Frank Hoppe | | Batzaya Ayush bei der Turniernachbereitung | |
 | | Frank Hoppe | | Nach dem Turnier | |
 | | Frank Hoppe | | Drazen Muse freut sich auf seinen Sachpreis | |
 | | Frank Hoppe | | Super Auswahl Drazen ! | |
Autoreninfo Frank Hoppe, Jahrgang 1964, hat die Internetpräsenz des Berliner Schachverbandes Ende 1996 ins Leben gerufen und betreut diese seitdem alleinverantwortlich. Er war außerdem von 1996 bis 2010 DWZ-Referent des Berliner Schachverbandes und von 2003 bis 2009 Referent der Wertungszentrale des Deutschen Schachbundes. Seit 2007 ist er Webmaster des Deutschen Schachbundes und seit 2010 Redakteur des BSV-Mitteilungsblattes.
BSV © 05.04.2010
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