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  Berliner Einzelmeisterschaft 2005

von Carsten Schmidt

Vom 25.März bis zum 2.April 2005 fand beim SC Kreuzberg (Haus des Sports, Gitschiner Str. 48, 10969 Berlin, Telefon 6159191) die Meisterklasse der Berliner Einzelmeisterschaft statt.

Die Top 5 - Suchin, Kiesekamp, Meister, Heinig, Mattick

Zum dritten Mal hintereinander wurde Jakob Meister vom SC Friesen Lichtenberg Berliner Meister! In einem von der Punkteausbeute klar von ihm dominierten Turnier konnten die Mitfavoriten IM Drazen Muse und FM Ulf von Herman keine Akzente setzen.
Somit hatte es Jakob Meister einerseits mit den jungen Wilden Marcos Kiesekamp, Dimitry Suchin und Atila Figura und andererseits mit den erfahrenen Spielern wie Lutz Mattick und Dr. Wolfram Heinig zu tun. Letztlich war es aber der routinierte IM, der bei der Deutschen Meisterschaft noch in der letzten Runde an Brett 1 gegen den späteren Deutschen Meister Arthur Jussupow verlor, der einmal mehr der Berliner Meisterschaft seinen Stempel aufdrückte, auch wenn er sehr verhalten begann.
In der ersten Runde konnte er eine überlegene Stellung gegen Thomas Frübing nicht zum Sieg verwerten und stand in den Runden 2 und 3 gegen Utz Lachmann und FM Christoph Nogly zumindest bedenklich. Danach hatte er sich aber warm gespielt und konnte in den kommenden Partien zunehmend überzeugen.

Der Berliner Meister 2005 - Jakob Meister

Marcos Kiesekamp konnte nach seinem Aufstieg in die M-Klasse im letzten Jahr sogleich den Vizemeistertitel mit der Erfüllung einer IM-Norm erkämpfen. Kompromisslos kämpfte er jede Partie aus. Keiner seiner neun Partien endete Remis. Sieben Siegen standen zwei Niederlagen (gegen Jakob Meister und Wolfram Heinig) gegenüber. Ein großer Erfolg für den jungen Spieler des jungen Vereins TuS Makkabi, der sich in den letzten Jahren mehr als Trainer geübt hat, die Erfahrungen daraus jetzt aber überzeugend einsetzte.

Marcos Kiesekamp - gerade aufgestiegen - schon Vizemeister und IM-Norm

Den dritten Platz erreichte, bis zur siebten Runde noch punktgleich mit Jakob Meister, FM Dr. Wolfram Heinig vom SK Zehlendorf, der solide seine Punkte holte. Auch wenn z.B. in der Partie gegen Marcos Kiesekamp das Glück etwas mithalf, war ihm Caissa in der achten Runde, als er noch punktgleich mit Meister war, gegen FM Christoph Nogly nicht hold, als er in seinem vierzigsten Zug die Zeit überschritt.

FM Dr. Wolfram Heinig - 3. Platz - Lange Zeit punktgleich mit Meister

Zweiter Überraschungsmann neben Marcos Kiesekamp war der zwanzigjährige Dimitry Suchin, der mit Siebenmeilenstiefeln ins Turnier startete und sich erst gegen Jakob Meister geschlagen geben musste. Danach folgte zwar noch eine Niederlage gegen Wolfram Heinig, aber zufrieden konnte der M-Klassen-Neuling schon sein.

Dimitry Suchin - Starker Auftritt des zwanzigjährigen Oberligaspielers

Auch einen guten Start konnte Lutz Mattick hinlegen, der gleich in den ersten zwei Partien sehr spektakulär gewann, besonders die Partie der ersten Runde gegen Gerald Hildebrand war sehenswert. Die meiste Zeit traf man ihn zigarettendrehend außerhalb des Turniersaals, aber in den entscheidenden Momenten kam immer die richtige Idee. Auch in den Verlustpartien war oft mehr drin für den in diesem Jahr erfolgreichsten Spieler des größten Berliner Vereins und Ausrichters, SC Kreuzberg.

Lutz Mattick lieferte munteres Angriffsschach

Hinter der Top5 reihten sich dann Titelträger wie IM Günther Möhring, FM Christoph Nogly und FM Stephan Giemsa ein. Unter ihnen findet sich auch ein Berliner Urgestein wieder: Herbert Kauschmann, der nach schwachem Start zum Ende immer besser in Form kam. Nur gegen den Meister konnte er nix ausrichten.

Herbert Kauschmann zeigte noch einiges an Kondition

Mit sieben Remisen wurde Thomas Frübing in der Kategorie Remiskönig der Beste. Der Berliner Kadertrainer hielt den Angriffen von Jakob Meister und Drazen Muse stand, mit etwas Glück hielt er remis gegen Stephan Giemsa. Eine der sehenswerten Partien des Turniers.
Giemsa-Frübing
In der letzten Runde musste er sich der geballten Kraft aus Jugend, dem Lauf im Turnier und der winkenden IM-Norm von Marcos Kiesekamp beugen. Seine einzige Niederlage in der letzten Runde.

Thomas Frübing spielte siebenmal Remis, davon keine Partie unter 30 Zügen.

Gute Turnierresultate legten Thomas Hämmerlein, Thilo Keskowski und M-Klassen-Neuling Frank Niehaus mit 50 % vor. Unter ihnen findet man dann auch den erstmalig am Meisterturnier teilnehmenden ehemaligen Deutschen Meister u16, Atila Figura, der lange und zähe Partien auskämpfte. Nur die Partie gegen seinen Trainer Lutz Mattick endete im Patt nach 17 Zügen (!) Unweigerlich wurde man erinnert an eine andere Kreuzberger Vereinspaarung zwischen Norbert Sprotte und Rainer Albrecht aus dem Jahre 1987.

Figura-Mattick Patt nach 17 Zügen...  

Figura-Mattick

Sprotte-Albrecht Doppel-Patt nach 17 Zügen...  

Sprotte-Albrecht

Atila Figura immer für einen Spaß zu haben - sehr gute Premiere in der M-Klasse

Schachliche Dramen spielten sich für drei Top-Spieler ab: IM Drazen Muse, ehemaliger Bundesligaspieler, verlor in den ersten zwei Runden. Die Partie gegen Martin Gebigke hätte den Schönheitspreis verdient, wenn er den letzten Verteidigungszug nicht geglaubt hätte. Die spektakulärsten Partien wurden auf jeden Fall von ihm gespielt.
Muse-Gebigke

Drazen Muse - Der ambitionierteste Spieler haderte mit seiner Angriffslust!

FM Ulf von Herman kämpfte seit der ersten Partie mit seiner Form. Die Niederlage in der dritten Runde gegen Dimitry Suchin läutete eine Serie von vier Niederlagen ein. Der zweimalige Berliner Meister landete am Ende auf einem Abstiegsplatz. Ebenfalls auf einem Abstiegsplatz landete IM Julian Urban, der bis zur letzten Partie mit seiner Zeit kämpfen musste. Meist aus guten Stellungen heraus, wurde in der Zeitnot der Vorteil zu Remis oder Niederlage verspielt. Beim SC Kreuzberg war die Turnieratmosphäre gewohnt gut, nach den Partien wurde abendlich noch lange Zeit analysiert. Die Beginnzeit 17:00 Uhr war für die Teilnehmer so sehr praktisch. Nach neun Tagen harter Arbeit für alle Teilnehmer und den Turnierleiter freuen sich jetzt alle auf die nächste M-Klasse 2006.

Bilder

Alle Bilder von der Meisterklasse

Autoreninfo

Carsten Schmidt,
Jahrgang 1970, wurde in den 1990er Jahren Jugendwart des Berliner Schachverbandes. 2004 gab er dieses Amt auf und wurde zum Vizepräsidenten des Verbandes gewählt. 2010 wurde er zum Präsidenten des Verbandes gewählt.

praesident@berlinerschachverband.de

BSV © 07.08.2007

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