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Der SV Marzahna 57 e.V. - Landesliga Brandenburg - sucht fuer die kommende Saison noch ambitionierte Verstaerkung fuer das Brett 1 (evtl. auch 2). Kontakt: rene@liese.tv

  Berliner Schnellschach-Einzelmeisterschaft 2011

von Felix Nötzel

16. und 17. April beim SC Zugzwang 95

Ausschreibung

BSEM 2011 – 1. Tag

Heute fanden die ersten 5 von insgesamt 9 Runden der Berliner Schnellschach-Einzelmeisterschaft 2011 statt. 63 Schachfreunde fanden den Weg in den Quartierspavillon von Zugzwang und konnten so die Teilnehmerzahl vom letzten Jahr deutlich übertreffen. Auch das Niveau ließ nichts zu wünschen übrig: So sind unter den Teilnehmern acht Titelträger und bis zum 49. der Setzliste Spieler mit einer TWZ von 1800 oder mehr!

Nach 5 Runden führt GM Sergey Kalinitschew das Feld mit 4½ Punkten an, dicht gefolgt von acht Spielern mit 4 Punkten, darunter der amtierende deutsche Schnellschachmeister IM René Stern.

Schon in der 1. Runde gab es einige Überraschungen. So konnte Alfred Barwich gegen den an 7 gesetzten FM Markus Dyballa gewinnen. Leonid Sawlin erwischte einen Traumstart und konnte nicht nur in der 1. Runde FM Gerhard Lüders schlagen, sondern in der 2. Runde mit einem Sieg gegen Thilo Keskowski nachlegen.

Die Favoriten IM René Stern und GM Sergey Kalinitschew mussten in der 2. bzw. in der 3. Runde nur mit Remis leben, sodass vor der 4. Runde nur noch drei Spieler mit voller Punktzahl übrig blieben. Dabei kam es am Spitzenbrett zur Begegnung der beiden Spieler IM Drazen Muse und IM Ulf von Herman vom SK König Tegel 1949, die in Drazen Muse einen klaren Sieger fand und ihn zunächst an die Tabellenspitze beförderte, weil sich FM Dirk Paulsen gegen Hendrik Möller an Brett 2 mit einem Remis begnügen musste.

In der letzten Runde am Samstag musste Drazen Muse aber einen Verlust gegen Sergey Kalinitschew hinnehmen, der nun mit einem halben Punkt Vorsprung die Tabelle anführt. Interessant wird der Kampf um die Ratingpreise, die den ersten des 2. und des 3. Drittels der Setzliste zustehen. Aufgrund des starken Teilnehmerfeldes gibt es diese Preise in den Kategorien u2068 und u1921. In der ersten Kategorie führt derzeit Philippe Vu mit 4 Punkten, während der beste Spieler des 3. Drittels derzeit Leonid Sawlin mit 2½ Punkten ist.

Erwähnenswert ist die Teilnahme des Vizepräsidenten des Berliner Schachverbandes Martin Sebastian. Nachdem er in den letzten Jahren dieses Turnier geleitet hatte, wollte er dieses Jahr die starken Spieler so richtig aufmischen. Nach einem starkem Anfang mit 1½ aus 2 ließ er aber doch nach, und spielte in der 5. Runde nicht gegen René Stern oder einen anderen Spieler aus der vorderen Hälfte, sondern gegen den amtierenden Deutschen Meister u8 Jirawat Wierzbicki (TWZ 1405) an Brett 23 und verlor!

Parallel zur BSEM fand auch die Berliner Frauen-Schnellschach-Einzelmeisterschaft statt. Es fanden sich ein wenig überraschend neun Frauen ein, die dann in einem 5-rundigen Turnier mit Schweizer System die Berliner Schnellschachmeisterin ausspielten. Nach der letzten Runde standen WFM Stefanie Schulz und Alina Rath mit 4 Punkten an der Tabellenspitze, sodass ein Stichkampf mit zwei Blitzpartien entscheiden musste. Diesen konnte Stefanie Schulz mit 2:0 souverän für sich entscheiden und ist damit Berliner Schnellschachmeisterin 2011. Herzlichen Glückwunsch!

Am 2. Tag des Wochenendes werden die Runden 6 bis 9 der BSEM ausgetragen, sowie die Berliner Frauen-Blitz-Einzelmeisterschaft.

BSEM 2011 – 2. Tag

Nachdem am Samstag die Berliner Schnellschach-Einzelmeisterschaft gestartet war, konnte sie am Sonntag erfolgreich beendet werden. Von den 63 Teilnehmern fanden immerhin 62 Schachfreunde den Weg zurück in den Quartierspavillon. Horst-Peter Kurbel (2 aus 5) musste leider krankheitsbedingt absagen.

Die 6. Runde konnte mit einem echten Kracher an Brett 1 aufwarten. Der amtierende deutsche Schnellschachmeister IM René Stern (4 aus 5) spielte gegen den Tabellenführer des ersten Tages, GM Sergey Kalinitschew (4½ aus 5). René Stern musste sich nach einem umkämpften Spiel geschlagen geben und mit nun 1½ Rückstand auf den Führenden schien er schon früh alle Chance auf eine Titelverteidigung verschenkt zu haben. Spannend machte es Henry Reiche am Brett 21 gegen Eberhard Herrmann. Henry kam zwölf Minuten zu spät (und das bei bloß 20 Minuten Bedenkzeit plus Inkrement), konnte seine Partie aber tatsächlich gewinnen.

In der 7. Runde wollte Sergey Kalinitschew seine Führung ausbauen, da er ja mit René Stern den vermeintlich stärksten Gegner bereits bezwungen hatte. Gegen IM Ulf von Herman musste er aber nach spannendem Kampf aufgeben. IM Drazen Muse konnte an Brett 2 gegen FM Klaus Lehmann gewinnen und sich mit nun ebenfalls 6 Punkten mit Ulf von Herman an die Tabellenspitze setzen. An Brett 9 musste FM Gerhard Lüders erneut gegen die Jugend die Waffen strecken. Nachdem er schon in der 1. Runde gegen Leonid Sawlin verloren hatte, konnte er auch gegen Philipp Lerch keinen Punkt gewinnen.

Die 8. Runde erlaubte es Ulf von Herman, den Verfolgern davon zu ziehen. Er gewann gegen Clemens Escher, während Drazen Muse gegen Hendrik Möller nicht über ein Remis hinaus kam. Sergey Kalinitschew schlug an Brett 3 Shenis Slepuschkin und konnte immerhin nach Punkten zum 2. Platz aufschließen. Philipp Lerch hatte sich inzwischen an Brett 6 vorgekämpft und konnte gegen Jens-Uwe Jaeschke erneut einen Sieg einstreichen.

Vor der 9. Runde schien nun alles entschieden. Ulf von Herman führte mit 7 Punkten und hatte bereits gegen die direkten Konkurrenten gespielt, sodass er in Philipp Lerch den "nur" an Platz 30 gesetzten Spieler als Gegner bekam. Hinter Ulf von Herman lagen Drazen Muse und Sergey Kalinitschew mit 6½ Punkten gleichauf, dicht gefolgt von FM Dirk Paulsen, René Stern und Philipp Lerch mit je 6 Punkten. Aber statt eines souveränen Sieges von Ulf von Herman kam alles ganz anders.

An Brett 1 hatte Philipp Lerch plötzlich zwei Springer gegen einen Turm mehr, mit denen er seinen am Brett recht verzweifelt wirkenden Gegner zur Aufgabe zwang. Sergey Kalinitschew und Drazen Muse schauten regelmäßig an Brett 1 vorbei und hatten nach Philipps Sieg nun selber die Möglichkeit, das Turnier zu gewinnen, was sie aber offenbar unter zu großen Druck setzte. Sergey verlor an Brett 2 gegen Dirk Paulsen im Mittelspiel eine Figur, während sich Drazen Muse an Brett 3 gegen René Stern in einem Dame-Turm-Endspiel zweizügig Matt setzen ließ.

Auf ein Mal gab es mit Philipp Lerch, Ulf von Herman, Dirk Paulsen und René Stern vier Spieler mit 7 Punkten an der Spitze, sodass die Buchholz über den Turniersieg und die Platzierungen entscheiden musste. Philipp Lerch hatte nach seiner starken Aufholjagd (4 aus 4 am zweiten Tag) die schlechteste Buchholz (46,5), konnte aber mit seinem überraschenden 4. Platz seine gute Vorjahresleistung (5. Platz) betätigen. Zwar hatte Philipp keinen Hauptpreis gewonnen, allerdings war er der 1. in seiner Ratingkategorie TWZ 2026-1927 und sahnte immerhin 30 € Preisgeld ab. Zwischen den ersten 3 Plätzen entschied am Ende nur ein halber Buchholzpunkt. Mit 51 Punkten wurde René Stern Dritter und konnte seinen Vorjahressieg nicht wiederholen. Mit 51,5 Buchholzpunkten kam der einzige Spieler unter den ersten Vier ins Ziel, der nicht von SK König Tegel 1949 kommt: Dirk Paulsen.

Also hatte Ulf von Herman noch Glück gehabt und ist mit 7 Punkten und 52 Buchholzpunkten Berliner Schnellschachmeister 2011. Herzlichen Glückwunsch!

Zu erwähnen ist die klare Leistungssteigerung von Martin Sebastian, dem Vizepräsidenten des Berliner Schachverbandes. Nachdem er am Samstag nur 1½ aus 5 geholt hatte, konnte er sich bis zur 9. Runde noch an Brett 12 vorkämpfen und erzielte gegen FM Markus Dyballa sogar ein Remis, sodass er am Sonntag insgesamt 3½ Punkte aus 4 Partien erzielte. Der 2. Ratingpreis in der Kategorie TWZ 1920-960 ging wie der 1. Ratingpreis an einen Jugendspieler: Leonid Sawlin gewann in seiner Kategorie mit 5½ Punkten.

Auch die Frauen hatten am Sonntag ihren Einsatz. Nachdem am Samstag die Berliner Frauen-Schnellschach-Einzelmeisterschaft stattgefunden hatte, durften am Sonntag die Figuren noch schneller gezogen werden, um die Berliner Frauen-Blitzmeisterin 2011 zu ermitteln. Unter anderem dabei waren die amtierende deutsche Frauen-Blitz-Meisterin Alina Rath, die Berliner Frauen-Schnellschachmeisterin 2011 WFM Stefanie Schulz, WFM Brigitte von Herman und die Frauenreferentin des Berliner Schachverbandes Anita Neldner. Mit sieben Teilnehmern wurde ein doppelrundiges Rundenturnier gespielt, sodass alle sieben Teilnehmerinnen insgesamt 12 Partien spielten.

Nach dem 1. Durchgang schien die Entscheidung bereits gefallen zu sein. Brigitte von Herman hatte alle sechs Partien überzeugend gewonnen und wurde mit je einem Punkt Abstand von Stefanie Schulz und Alina Rath verfolgt. Der 2. Durchgang startete aber mit einer Überraschung. Brigitte von Herman konnte die ersten 4 Partien nicht gewinnen und musste sich sogar der jüngsten Teilnehmerin Anna Denkert geschlagen geben. Diese Schwächephase nutzte Stefanie Schulz aus, um mit insgesamt 10 Punkten aus 12 Partien Berliner Frauen-Blitz-Meisterin 2011 zu werden.

Ich wünsche allen Berliner Teilnehmern an den deutschen Schnellschach- und Blitzmeisterschaften viel Erfolg und hoffe, dass die Berliner Schnellschachmeisterschaft auch im kommenden Jahr ein solcher Erfolg wird. Der Termin ist voraussichtlich das Wochenende vom 12. bis zum 13. Mai 2012.

BSV © 19.04.2011

Kommentare

Horacio:
Es war eine kleine Plauderei. Es gab Zeiten, da habe ich die Berichte -- sehr gerne -- verfasst. Das Augenmerk lag bei mir auf Menschlichkeit und Gerechtigkeit. Ob mir das gelungen ist oder nicht sollen andere beurteilen. Die Spannung des Turniers ist eine Perspektive, die menschlichen Begegnungen eine weitere, eine dritte wären Stellungsbilder, Partiefragmente, gerne mit den kleinen Tragödien (oder Glückserlebnissen auf der anderen Seite) am Rande.
So hat Manfred Küster seine Partie gegen Dyballa aufgegeben, als Letzterer die Zeit überschritten hatte. Hut ab vor Felix, mit dem ich a) ein gutes Verhältnis habe und der b) einen guten Job gemacht hat, sowohl mit der Turnierleitung als auch dem Bericht. Dennoch komme ich als Zweitplatzierter kaum darin vor. Meine Partie gegen Sergej war sehr stark gespielt.

(22.04.2011, 09:59 Uhr)

Kloracio:
Was will uns Horacio eigentlich mitteilen?

20 mal gelesen und einfach nix verstanden.

(21.04.2011, 20:46 Uhr)

Horacio:
Warum keiner der anderen vorderen zur Deutschen? René war vorberechtigt als Titelverteidiger, Sergej und Drazen durften nicht, wegen der Staatsbürgerschaft. Dirk Paulsen
(21.04.2011, 14:40 Uhr)

Horacio:
Lieber Felix, obwohl du fast in jeder Runde bei mir vorbeischautest, ist fast kein einziges Wort über mein Turnier zu finden. ALLE anderen auf den vorderen Plätzen kamen in den Genuss einer Erwähnung ihrer Chancen. Dazu ist die Tragik, die mir immer wieder 2. Plätze einbringt an keiner Stelle erwähnt. Es ist ein derartig unfassbares Kuriosum, dass man eigentlich nur noch darüber lachen kann. Speziell gilt dies bei Berliner Meisterschaften, aber im letzten Jahr auch bei zahlreichen anderen Turnieren. "Vize-Paulsen" wäre schon ein Titel, mit dem ich mich anfreunden könnte.
Dazu ist nicht erwähnt, WER zur Deutschen fahren darf. Es ist Ulf. Und Ulf ist der einzige von den vorderen Plätzen, der mir den Platz streitig machen konnte. Also ein kleiner weiterer Wermutstropfen. Ein 2. Platz wäre dann ok, wenn er die Quali bedeutet hätte.
"Der Druck auf Sergej vor der letzten Runde war zu groß". Das ist eine nette Umschreibung für einen überzeugenden Sieg von meiner Seite. Der Figurenverlust kam in bereits klar nachteiliger Stellung für Sergej zustande. ich hatte Schwarz und habe ihn überspielt.
Am 1. Brett schauten in der Schlussrunde nicht (nur) Drazen und Sergej vorbei, die beide mit ihren Stellungen zu kämpfen hatten, sondern und vor allem ich. Phillip hatte Ulf mit einem tollen Springeropfer, bei bereits Qualitätsnachteil, in die Knie gezwungen. Der Springer war nicht zu nehmen und drang auf e3 ins weiße Lager ein, wo er vernichtenden Schaden anrichtete. Philipp hat einfach nur toll gespielt. Ulf war verzeifelt, weil der das Matt gegen die Dame und zwei Springer nicht mehr abwenden konnte. "Glück gehabt" hingegen stimmt, aus Sicht von Ulf. Mit einer 0 Turniersieger werden? Mit "Druck" hatte das nichts zu tun und ist leider ein platter und heute (aus dem Fußball) häufig verwendeter Begriff. Wir machen alle nur Schachzüge, Druck hin oder her... Herzlich, Dirk Paulsen

(21.04.2011, 14:39 Uhr)

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