| 13. Zehdenicker Schnellschach-Open 2007 |
von Frank Hoppe
Schachfreunde Zehdenick 76
"Stadtgarten" Zehdenick, 16792 Zehdenick, Havelweg 1
Samstag, 1. September 2007
 | | Frank Hoppe | | Blick auf die Havel mit der 1905 errichteten und 1989-92 erneuerten Dammhastbrücke. Links hinter den Bäumen findet man das Restaurant "Stadtgarten" | |
 | | Frank Hoppe | | Ein Schiff wird kommen ... | |
Zehdenick ist immer wieder eine Reise wert. Mit dem direkt an der Havel gelegenen Restaurant "Stadtgarten" haben die Schachfreunde Zehdenick eine hervorragende Spielstätte für ihre Turniere. Von der Terrasse des Stadtgartens hat man einen sehr guten Ausblick auf die nahe Zugbrücke und das Schiffermuseum am gegenüberliegenden Ufer.
 | | Frank Hoppe | | Pokale und Medaillen für den Nachwuchs | |
 | | Frank Hoppe | | Der Nachwuchs spielte im gleichen Turnier wie die Älteren | |
Wegen der parallel stattfindenden Schnellturniere in Dennewitz und in Berlin (AMAP) gab es in Zehdenick nicht ganz so viel Zulauf wie 2006, als Vladimir Schilow vor GM Sergej Kalinitschew gewann. 48 Spieler, darunter viele Jugendliche, nahmen eine halbe Stunde verspätet um halb zehn den Wettkampf über 11 Runden auf (15 Minuten je Partie/Spieler). Das Leistungsgefälle war insgesamt sehr groß - sieben 2000er, drei 1900er, ein 1800er, vier 1700er, ... und zahlreiche Spieler mit DWZ unter 1000 und ohne DWZ. Da "verirrte" sich schon mal der ein oder andere Außenseiter in der ersten Reihe an den Brettern 1 bis 5 und Überraschungen blieben keine Mangelware.
 | | Frank Hoppe | | Sie saßen in der 1. Reihe - jedenfalls in dieser Runde. Vorn links Daniel Gurack, neben ihm ein Außenseiter: Slavko Krneta. Der zerhackte übrigens den Berichterstatter ... | |
Das Organisationsteam um Rainer Kuhnke vom relativ kleinen Verein Schachfreunde Zehdenick macht schon seit 1992 die Schachwelt mit ihren Turnieren "verrückt". Das Schnellschach-Open gibt es seit 1995 (Sieger war Matthias Ahlberg von der SG Weißensee), das 12-Stunden-Marathonblitz seit 1992 und den Huckeduster-Schachtriathlon gibt es auch schon seit über zehn Jahren. Viel zu tun für ein kleines Team und so verwundert es nicht, das den Machern die Arbeit über den Kopf wächst. Nachwuchs für diese Aufgaben gibt es nicht und zu zweit ist es halt schwierig, alle Turniere zu meistern. Das 15. Marathonblitz im Jahr 2006 war jedenfalls das letzte seiner Art. Ein weiteres wird es nach Auskunft von Rainer Kuhnke nicht mehr geben.
 | | Frank Hoppe | | Rainer Kuhnke ist Vorsitzender und "Motor" des Vereins | |
 |  | Cottbuser Duo dominiert das 13. Schnellschach-Open | |  |
Mit einem Start-Ziel-Sieg prägten FM Karsten Schulz und Ilya Spivak vom VBSF Cottbus das Turnier. Spivak mußte frühzeitig mit dem Handicap eines Ausrutschers (Remis) gegen Ronald Witt leben und dieser halbe Punkt machte am Ende den Unterschied. Die beiden Meister schienen sich allerdings von vornherein auf einen friedlichen Doppelsieg geeinigt zu haben. In der letzten Runde spielte Schulz an Brett 1 mit Weiß gegen mich und Spivak an Brett 2 gegen Hintze. Ich hatte gerade fünf Züge mit Karsten Schulz ausgetauscht, als am Nebenbrett die Partie mit einem Remisangebots Spivaks begann. Die Hand Hintzes war schneller bei Spivak, als John Wayne jemals seinen Colt ziehen konnte. Noch während ich in Visionen über ein mögliches Remis in meiner Partie schwelgte, schnellte meine Hand meinem Gegenüber entgegen, der gerade ebenso das Unverhoffte ausgesprochen hatte.
 | | Frank Hoppe | | Turniersieger FM Karsten Schulz aus Cottbus | |
 | | Frank Hoppe | | Ilya Spivak (VBSF Cottbus) - Platz 2 | |
Nachdem die beiden Spitzenbretter wie leergefegt dastanden, wurde allein an Brett 3 zwischen Bernd Neubauer (7 Punkte) und Matthias Schöwel (7½) gekämpft. Da Hoppe und Hintze bereits ihr Turnier mit 7½ aus 11 beendet hatten, fiel in dieser Partie nun die Entscheidung, ob beide Spieler oder nur einer ins Preisgeld (Platz 1 bis 5) kommen würde.
 | | Neubauer - Schöwel. Neubauer hatte zuletzt mit der Dame auf a7 einen Bauern geschlagen. |
Schöwel brütete über der Stellung und fand nur 1. ... Sf3+. Nach 2. Sxf3 gxf3 3. Dxb7 Dh3 4. Tf2 Ted8 5. Le7 mußte er allerdings erst die Qualität spucken und später noch eine Figur, dem er mit der Aufgabe der Partie zuvorkam.
In der Diagrammstellung lag Ta8 auf der Hand, was die meisten Kiebitze auch sahen. Danach bleibt Weiß z.B. nur der Rückzug mittels Dc5, worauf allerdings Sd3 große Probleme bereitet.
 | | Frank Hoppe | | Bernd Neubauer aus Eberswalde kam zwischenzeitlich ins Schlingern - am Ende war er trotzdem Dritter | |
 | | Frank Hoppe | | Matthias Schöwel (TSG Oberschöneweide) wartet entspannt auf die Aufgabe Eberhard Herrmanns | |
Zwei weitere Episoden aus dem Schaffen Schöwels
 | | Hintze contra Schöwel. Matthias Schöwel hatte zuletzt seinen Turm auf der dritten Reihe nach f3 bewegt und Peter Hintze gab überraschend für die Kiebitze auf. |
Turmendspiele mit einem Mehrbauern enden oft Remis. Nicht so zwischen Peter Hintze und Matthias Schöwel. Hintze sah sich von seinem eingeklemmten König und drohendem Materialverlust konfrontiert und warf das Handtuch. Seinen frei beweglichen Turm, der auf der vierten Reihe die Stellung zusammenhalten könnte, sah er nicht. In der aufkommenden Zeitnot von Schwarz ist ein zwingender Gewinn kaum zu finden. Hintze gab sozusagen in Remisstellung auf.
 | | Hoppe - Schöwel nach 19. Lg5-e7 |
Matthias Schöwel hat seit Jahren Probleme gegen mich, wenn er die schwarzen Steine führt. Gerade durch die zahlreichen Internetpartien zwischen uns kam dieses Manko ans Tageslicht - das Nordische Gambit behagt ihm nicht.
Diesmal klappte es allerdings recht gut. Matthias kam mit einem soliden Mehrbauern sehr gut aus der Eröffnungsphase heraus, auch wenn sein Nullzug 8. Kh8, den er ohne Not ausführte, merkwürdig erschien. Nach dem letzten weißen Zug allerdings (eine Antwort auf De8-g6) gerät Sand ins schwarze Räderwerk und der Vorteil eines Mehrbauern hat sich verflüchtigt.
19. ... Lxe7 20.Sxe7 Dg5 21.Sxf5 g6?
 | | Dieser Zug schwächt die lange Diagonale. Ich hatte damit gerechnet und dachte schon länger über h4 nach. Die fehlende Koordination der schwarzen Figuren und die anfällige Grundreihe brachten mich auf eine andere Idee. |
22.f4! Df6 23.Se3? Wirft den Vorteil fast wieder weg. Richtig war fxe5, aber ich dachte 24.Td5 ginge wegen Dxe4 nicht ... 23. ... exf4 24.Sd5 Dg7 25.Sxf4 Te8 26.Ld5 Se6 27.Sxe6 Lxe6 28.Lxb7 Tab8 29.Dc6 Dxb2 30.Lxa6 Db6+ 31.Dxb6 Txb6 32.Le2 Ta8 33.Tc1 c6 34.Tf6 Ld7 35.Td6 Le8 36.Tc3 Kg7 37.e5 Ta5 38.Te3 Td5 39.Te6 Lf7 40.Te7 Kf8 41.Ta7 und Schwarz gab irgendwann auf.
Matt übersehen: Hoppe - Witt
 | | Ronald Witt, der durch einen Figurentausch auf g5 dem weißen h-Bauern zur unangenehmen Dominanz verhalf, glaubte sich in der Diagrammstellung c6-c5 erlauben zu können. |
26.g6! cxd4 27.De2 Stattdessen hätte Txf5 die Partie fast augenblicklich beendet. Schwarz müßte mit einer Dame weniger weiterspielen, denn dxe3 führt beginnend mit gxf7 und Txh7 zu einem erstickten Matt oder einem Turmmatt. 27. ... d3 28.cxd3 Zweite Chance verpaßt 28. ... Df6
 | | Die Kiebitze umlagerten das Brett. Da auch Meister Spivak zusah, suchte ich angestrengt nach dem ultimativen Gewinn. |
29.gxf7+ Soweit richtig ... 29. ... Kh8 30.De4? Hätte ich nicht nur sechs Restminuten auf der Uhr gehabt, hätte ich mich sicher besser auf das 6-zügige Matt 30.Txh7+ Sxh7 31.Dh5 Dh6 32.Sg6+ Dxg6 33.Dxg6 usw. konzentrieren können. So vernebelten mir Phantom-Fluchtfelder und -figuren das Gehirn. 30...g6 31.Sxg6+! Na wenigstens ab und zu kommt noch ein Geistesblitz. Der Springer ist wegen sofortigem Matt oder Damenverlust nebst Matt tabu. 31. ... Kg7 32.Se5 Td5 33.Txh7+ Sxh7 34.Dxh7+ Txh7+ nebst Db4+ geht schneller, weil Matt 34. ... Kf8 35.Sg6+ 1-0
1. FM Karsten Schulz 9,5 2238 VBSF Cottbus
2. Ilya Spivak 9,0 2394 VBSF Cottbus
3. Bernd Neubauer 8,0 2128 ESV Eberswalde
4. Matthias Schöwel 7,5 2215 TSG O'weide
5. Peter Hintze 7,5 1996 SC Zugzwang
6. Frank Hoppe 7,5 2046 Dopp. Woltersdorf
7. Daniel Gurack 7,0 2050 ESV Eberswalde
8. Horst Strehlow 7,0 1954 SC Friesen
9. Mario Luckian 7,0 1686 ESV Eberswalde
10. Marvin Hänsel 7,0 1604 Paulinenaue
...
 | | Frank Hoppe | | Dieter Nodorp aus dem fernen Stade (bei Hamburg) startete super. Platz 12 wird den an 7 gesetzten Niedersachsen nicht befriedigt haben. | |
 | | Frank Hoppe | | Lokalmatador Ronald Witt spielte phänomenal auf, konnte aber sein Tempo nicht halten - Platz 14 | |
 | | Frank Hoppe | | Horst Strehlow (SC Friesen Lichtenberg) war das erste Mal in Zehdenick. Der Altmeister belegte Platz 8. | |
 | | Frank Hoppe | | Mandy Barna wurde Fünfzehnte | |
 | | Frank Hoppe | | Mario Luckian (Motor Eberswalde) überflügelte seine Vereinskameradin Mandy Barna, belegte Platz 9 und holte sich den DWZ-Preis unter 1800 ab. | |
Anmerkung: Im Laufe der nächsten Tage wird der Bericht noch erweitert (Tabellen) und alle Fotos kommen ins Archiv
Autoreninfo Frank Hoppe, Jahrgang 1964, hat die Internetpräsenz des Berliner Schachverbandes Ende 1996 ins Leben gerufen und betreut diese seitdem alleinverantwortlich. Er war außerdem von 1996 bis 2010 DWZ-Referent des Berliner Schachverbandes und von 2003 bis 2009 Referent der Wertungszentrale des Deutschen Schachbundes. Seit 2007 ist er Webmaster des Deutschen Schachbundes und seit 2010 Redakteur des BSV-Mitteilungsblattes.
BSV © 05.04.2010
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