| Rezension: Bobby Fischer - Meine 60 denkwürdigen Partien |
von Fernando Offermann
 |  | Bobby Fischer: Meine 60 denkwürdigen Partien. Komplett überarbeite und korrigierte Ausgabe von Matthias Vettel. 315 S., gebunden. Schachzentrale, Ludwigsburg 2005. | |  |
Bis vor kurzem war das nicht ganz leicht, eine Ausgabe dieses Klassikers zu bekommen. Dabei hatte eine Fischer-Renaissance eingesetzt: erst der WM-Rückkampf in Serbien, dann die ganzen Gerüchte und Mysterien um Aufenthalte in Budapest und so weiter, dann diese peinlichen Interviews und dann monatelang die mediale Belagerung zu seinen Schwierigkeiten mit den japanischen Behörden und mit diesen hässlichen Bildern mit dem Bart und den roten Augenrändern.
Fischer, das sind vor allem die Partien, und etwas von der Klarheit und der Größe am Brett erfahren möchte, der muss in die "60 denkwürdigen Partien" reinschauen, Kasparows Fischer-Band seiner Weltmeister-Reihe lesen oder zu Andrew Soltis' hübschen Partiensammlung "Bobby Fischer rediscovered" greifen.
Die vorliegende Neuausgabe der "60 memorable games" ist eine absolute Schönheit. Matthias Vettel hat sich viel Arbeit gemacht und das Ergebnis ist ansehnlich. Es macht Spaß, die Ausgabe in die Hand zu nehmen. Leider hält man sich in der Übersetzung so sehr an das Original, dass es zu bösen Anglizismen kommt: "Dieser Zug ist ein Schuss" darf da einfach nicht stehen, und schon gar nicht mehrmals und in Variationen. Soviel Demut gegenüber dem Original ist schlecht. Nicht nur weil es in diesem Fall ganz einfach falsch übersetzt ist, sondern weil der Grundton Fischers eher lapidar und im Brooklyn-Style im Zweifelsfalle bodenständig, aber auf keinen Fall gestelzt ist. Dieser Zug ist ein Hammer, ein Knaller, eine Keule, was auch immer. Nur kein Schuss. Das mag eine Petitesse sein, doch geben gerade solche Kleinigkeiten den Grundton wieder. Vettel selbst hat den Text zwei Lektoren zu lesen gegeben. Für fünf Sterne muss das in der nächsten Auflage stimmen.
Bewertung des Autors
Bewertung
Autoreninfo Fernando Offermann, geb. 1967 in Buenos Aires, ist Journalist, für gute Bücher zu haben und spielt Schach am liebsten in der Kneipe.
BSV © 28.07.2006
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